Validierungsstrategie als Referenzpunkt
für die Validierung in Österreich
In Österreich gibt es eine Reihe von Validierungsverfahren, die von unterschiedlichen Institutionen bzw. im Rahmen verschiedener Initiativen angeboten werden. Dazu zählen rein summative Verfahren, die den Zugang zu Angeboten des formalen Bildungssystems ermöglichen (bspw. Berufsreifeprüfung, Studienberechtigungsprüfungen an Universitäten), Validierungen zum Nachholen von formalen Bildungsabschlüssen (bspw. ExternistInnenprüfungen für einzelne Unterrichtsgegenstände, Schulstufen oder Schularten, Außerordentlicher Antritt zur Lehrabschlussprüfung) sowie zur Erlangung einer Berechtigung zur selbstständigen Ausübung eines Gewerbes (Befähigungsprüfungen). Daneben gibt es auch verschiedene Ansätze der formativen Validierung (bspw. Kompetenzprofil der Volkshochschule Linz, Kompetenz+Beratung), die darauf abzielen vorhandene Kompetenzen sichtbar zu machen, um Lernmotivation zu erhöhen und passende Einstiegspunkte im Aus- und Weiterbildungssystem bzw. am Arbeitsmarkt zu identifizieren. Recht neu sind Ansätze, die beides – also formative und summative Ansätze – miteinander verbinden. Dazu zählen etwa die WBA-Zertifizierung für ErwachsenenbildnerInnen oder das Pilotprojekt „Du kannst was“, das die Erlangung eines Lehrabschlusses ermöglicht. Diese beiden Validierungsverfahren werden auch immer wieder als Best Practices in Österreich beim Thema Validierung genannt.
Was in Österreich bislang fehlt, ist ein umfassend koordiniertes System der Validierung und Anerkennung nicht-formal und informell erworbener Kompetenzen (S.16). Hier soll die österreichische Validierungsstrategie ansetzen, die nach einem mehrjährigen Entwicklungsprozess 2017 in Kraft getreten ist. Sie ist Österreichs Reaktion auf die Empfehlung des Europäischen Rates, bis 2018 verbindliche Regelungen zur Validierung nicht formal und informell erworbener Kompetenzen in den EU-Mitgliedstaaten einzuführen. Die Validierungsstrategie soll den unterschiedlichen Initiativen und Ansätzen ein gemeinsames, sektorübergreifendes Referenzdokument zur Verfügung stellen und zielt auf eine verbesserte Steuerung, Koordination und Qualitätssicherung bestehender und zukünftiger Ansätze ab. Letztlich soll dies zu verbesserter Transparenz und gesellschaftlicher Anerkennung von Validierungsprozessen und deren Ergebnissen beitragen.
Validierung wird im Rahmen der österreichisches Validierungsstrategie als wichtiges Element bei der Reaktion auf gesellschaftliche Herausforderungen gesehen. Genannt werden hier die Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit und Stärkung des Wirtschaftsstandortes, Arbeitslosigkeit, Alterung der Bevölkerung, dynamischer Arbeitsmarkt durch wirtschaftlichen und technologischen Wandel sowie die aktuelle Flüchtlingssituation.
Die Kernpunkte der Strategie – 6 strategische Ziele
Dem Anspruch, dass Validierung zur Bewältigung gesellschaftlicher Problemlagen beitragen soll, stehen entsprechend ambitionierte Zielsetzungen gegenüber. Konkret werden die folgenden sechs Zielsetzungen formuliert, die den Kern der Validierungsstrategie bilden.
1. Aufwertung nicht-formal und informell erworbener Kompetenzen – Validierung soll diese sichtbarer machen und so zu größerer gesellschaftlicher Bedeutung und Anerkennung beitragen. Letztlich soll es gelingen, dass Kompetenzen unabhängig vom Lernkontext, indem sie erworben wurden, gesellschaftlich anerkannt werden und somit ein ganzheitliches Bildungsverständnis gegeben ist.
2. Schaffung von Zugang zu Validierung – Durch Informations- und Beratungsangebote sollen Bekanntheit und Transparenz gesteigert und bestehende Validierungsverfahren so besser zugänglich gemacht werden. Eine zentrale Rolle wird hier der Bildungsberatung und Berufsorientierung zugedacht.
3. Verbesserung der Chancen auf Bildung und Arbeit – Hürden im Bildungssystem sollen abgebaut werden, indem das Nachholen von Bildungsabschlüssen, insbesondere für formal geringqualifizierte Menschen, erleichtert wird. Das soll zu einer verbesserten Beschäftigungsfähigkeit dieser Zielgruppe führen.
4. Verbesserung der Durchlässigkeit im Bildungssystem – Dies soll durch gesteigerte Transparenz und konsequente Lernergebnisbeschreibung gelingen. Die zuverlässige qualitätsgesicherte Dokumentation und Bewertung von Kompetenzen im Rahmen von Validierungsverfahren sollen bei Zugangs-, Anrechnungs- und Anerkennungsentscheidungen berücksichtigt werden. Die Schnittstelle Richtung Arbeitsmarkt soll durch die transparentere Darstellung von Kompetenzen verbessert werden. Qualifikationen, die durch summative Validierungsverfahren erworben werden, sollen jenen des formalen oder nicht-formalen Aus- und Weiterbildungssystems gleichgestellt werden und mit denselben Zugangs-, Berufs- oder Tätigkeitsberechtigungen verbunden sein.
5. Stärkung der Validierung als integraler Bestandteil des österreichischen Bildungssystems – Ergebnisse von Validierungsverfahren sollen keine Zertifikate zweiter Klasse sein. Zertifikate aus summativen Verfahren sollen formal mit „regulären“ Abschlüssen gleichgestellt und somit mit gleichen Zugangsberechtigungen verbunden sein.
6. Förderung der Lernergebnisorientierung und Qualitätssicherung – Validierung soll sich an Lernergebnissen orientieren und unter qualitätsgesicherten Bedingungen erfolgen. Qualitätssicherung soll gelingen, indem v.a. im Bereich der summativen Verfahren eine Ausrichtung an den Standards und Qualitätsprinzipien der formalen und nicht-formalen Aus- und Weiterbildung erfolgt. So sollen Stakeholder (ArbeitgeberInnen und AkteurInnen des Bildungssystems) in die Ergebnisse aus Validierungsprozessen vertrauen und ihre Bedeutung anerkennen können. Formative Ansätze sollen auch ohne Anschlussfähigkeit an Definitionen und Standards des Qualifikationssystems dazu beitragen, Kompetenzen zu identifizieren und zu dokumentieren, um eine Standortbestimmung im Qualifikationssystem zu erlauben. In Verbindung mit Beratungsangeboten soll das dazu beitragen, Anschlussoptionen im Bildungssystem und am Arbeitsmarkt sichtbar zu machen. Lernergebnisorientierung, gesteigerte Transparenz sowie Flexibilität von Bildungsverläufen soll auch durch eine starke Ausrichtung an europäischen Transparenzinstrumente (EQR/NQR, ECVET, ECTS, Europass) erreicht werden.

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